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Autor: Martin Poreda, Gründer von kununu.com
Recruiting mithilfe von Arbeitgeber-Bewertungsplattformen
Recruiting im Internet gehört für die meisten Unternehmen inzwischen zum Must-have im „war for talents". Schließlich verlangt das die Zielgruppe der internetaffinen Hochschulabsolventen. Man tobt sich aus auf der eigenen Karriereseite, bindet eine Vielzahl offener Stellen auf diversen Online-Stellenmärkten ein und signalisiert als Recruiter auf Xing, dass vakante Positionen zu besetzen sind.
Die Qual der Wahl
Die wesentliche Gemeinsamkeit zwischen all diesen Aktionen ist aber, dass die Inhalte von den Unternehmen selbst kommen. Sprich jeder Arbeitgeber versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen.
Für Bewerber ist es daher eine echte Herausforderung, die Goldstücke herauszufiltern - schließlich glänzt jeder Arbeitgeber gleich verlockend. Das gibt anderen Informationsquellen Aufschwung.
Alle Macht den Usern
Zum Beispiel gibt es Plattformen, auf denen Mitarbeiter ihre Arbeitgeber bewerten können. Hier werden offen Empfehlungen ausgesprochen oder auch Kritik geäußert. Keine Marketingabteilung hat hier zuvor gegengelesen, ob die Mitarbeiteraussage in das gewünschte Unternehmensbild passt. Für Jobsuchende birgt das natürlich einen großen Charme, da sie ungefilterte Informationen bekommen.
Den Unternehmen bereitet die nicht vorhandene Kontrollierbarkeit dagegen oft ein unangenehmes Gefühl. Das Beispiel der führenden Plattform kununu.com mit mehr als 27.000 Bewertungen zeigt aber, dass 63 Prozent der Mitarbeiter eher zum Unternehmensbotschafter als zum Kritiker werden. Ohnehin prüfen die Plattformbetreiber jede Bewertung auf Korrektheit und Fairness. Das bedeutet: Unbewiesene Tatsachenbehauptungen, Namensnennungen oder Firmeninterna sind nicht zulässig. Weiterhin haben die Unternehmen die Möglichkeit, zu Verbesserungsvorschlägen Stellung zu nehmen. Es hat sich gezeigt, dass nicht unbedingt der Arbeitgeber mit den besten Bewertungen die meisten Sympathiepunkte holt, sondern Arbeitgeber vor allem mit einer guten Reaktion auf Mitarbeiterkommentare punkten können.
Vom „No Name" zum Wunscharbeitgeber
Die Stimme, die Mitarbeiter dank des Internets bekommen haben, ist kaum mehr zu ignorieren. Statt sich über die mangelnde Kontrolle zu sorgen, sollten Personaler vielmehr darüber nachdenken, wie sie das Web2.0 geschickt für sich nutzen können.
Hierzu ein Beispiel: Das deutsche IT-Unternehmen T-Systems Multimedia Solutions GmbH rief kürzlich offen zur Bewertung auf und generierte dadurch über 100 positive Mitarbeiterstimmen. All diese hätten das Unternehmen sicher nicht so öffentlich gelobt, wenn sie nicht zur Meinungsäußerung aufgerufen worden wären.
Weiterhin bieten solche Plattformen Raum, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Warum nicht durch ein Video-Clip, einem Medium, das den Web2.0-Usern vertraut ist?
e-Recruiting im Web2.0: Mehr als nur ein Strohfeuer
Der Entwicklungsprozess dieser authentischen Unternehmensinformationen steht in Europa noch am Anfang. In den Vereinigten Staaten gehört es inzwischen schon zum guten Ton, dass Human Ressources-Manager eines Unternehmens einmal die Woche online Fragen zum Bewerberprozess beantworten, oder dass ein firmeneigener Twitter über interne Entwicklungen aufklärt.
Das Web2.0 bietet Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen. Gerade die eher unbekannten Arbeitgeber haben auf diesem Weg eine Chance, zunehmend in den Fokus von High Potentials zu gelangen. Kreativität ist gefragt und ein bisschen Mut, auf den Zug aufzuspringen. Doch dann kann auch mit vergleichsweise kleinen Budgets Fahrt aufgenommen werden.